Burn of Speyside - die Geschichte einer Havarie und was daraus wurde

Ein vatted Malt (99% Balvenie und 1% Glenfiddich). Als Sammler von Balvenie Whisky musste ich natürlich eine dieser Flaschen haben, auch wenn mir die Geschichte am Anfang sehr suspekt war. Ich begann dann ein bisschen im Internet zu  recherchieren und heraus kam eine recht abenteuerliche Geschichte.

Nachdem ich eine der Flaschen über Ebay erworben hatte, wollte ich natürlich unbedingt rauskriegen, ob die Geschichte, die sich nach den Informationen des Verkäufers hinter dem Whisky verbergen sollte, tatsächlich so stimmt.

Nachfolgend also die recherchierte Geschichte des Burn Of Speyside.

Fakten:

1.

Das Etikett der Flaschen weist als Abfüller bzw. Anbieter die Firma "The Ultimate Whisky Company, NL" aus.

2.

Es gibt offensichtlich verschiedene Versionen:

a)

Burn of Speyside – mit vollständigem Etikett, „refill sherry hogshead“, 46,0 Vol.-%.

b)

Burn of Speyside – mit Etikett, auf dem mit schwarzem Filzstift 3 Worte gestrichen sind. Refill sherry hogshead, 46,0 Vol.-%.

c)

Burn of Speyside – mit Etikett, auf dem mit schwarzem Filzstift 3 Worte gestrichen sind. Refill bourbon barrels, 46,0 Vol.-%.

d)

Burn of Speyside – „Sherry Refill, 58,4% Vol., mit Aufkleber auf dem Etikett.

e)

New Water Way Malt - 58,9 Vol.-% (Label: Burn of Speyside mit Aufkleber).

f)

New Water Way Malt – 58,4 Vol.-% (Label: New Waterway Malt).

3.

4.

Der Whisky mit „Burn of Speyside“, Sherryfass mit 46% Vol. wird noch von mehreren namhaften Internethändlern (u.a. Scoma) offiziell angeboten.

Recherche zum "Burn of Speyside"

Hinter „The Ultimate Whisky Company“ steht die niederländische Firma Van Wees, Leusderweg 260, 3817 KH Amersfoort, The Netherlands, Tel: +31 (0)33 461 53 19.

Die Firma ist unabhängiger Abfüller von Whisky und betreibt darüber hinaus mehrere Shops mit Spirituosen.

Die wahre Geschichte (nach weiteren Recherchen zu Schiffshavarien in der besagten Zeit)

In der Nacht vom 27. zum 28.11.2002 kollidierte der mit 28.000 Tonnen Öl beladene griechische Tanker "Hellenic Star" in der Einfahrt des Rotterdamer Hafens mit dem deutschen Frachter "Western Trader" (4169 BRZ). Zwei Schlepper nahmen den beschädigten Tanker auf den Haken und brachten ihn nach Botlek. Die Behörden ordneten eine sofortige Räumung des Havaristen an. Arbeiten, das leckgeschlagene Schiff abzudichten, wurden unverzüglich auf den Weg gebracht. Langwieriger gestaltete sich die Bergung der "Western Trader". Das an Steuerbord aufgerissene Schiff konnte nur durch unverzügliches Aufgrund setzen mit Hilfe eines Notmanövers und sechs Schleppern vor dem Kentern bewahrt werden. An der Uferböschung kam das 111 Meter lange Schiff schließlich mit Schlagseite fest. Der Schwimmkran "Marcor" ging längsseits, um die Ladung aus dem vollgelaufenen Laderaum zu bergen. Dabei mussten Schlepper den Frachter ständig stabilisieren, um ein Umschlagen oder Zerbrechen des Havaristen durch Strömung und Gezeiten zu vermeiden.

Die Ladung der Western Trader bestand u.a. aus 144 Fässern schottischem Whisky, deren Bestimmungsort mit Japan angegeben war. Da der Besitzer der Ladung kein Interesse mehr an den beschädigten Waren hatte, wurde die Whiskyladung der holländischen Firma Van Wees angeboten. Die Namen der Whiskies waren mit Burnside und Wardhead, beide destilliert in 1996 angegeben. Die Namen waren für Van Wees völlig unbekannt, doch nach einigen Recherchen kam heraus, dass der Burnside eine Mischung aus 99% Balvenie und 1% Glenfiddich war. Jetzt war auch klar, wo der Whisky produziert wurde, nämlich bei William Grant & Sons in Dufftown. Der Grund für das Mischen der unterschiedlichen Malt Whiskies liegt darin, dass es sich durch das „vatten“ nicht mehr um einen reinen Single Malt handelt und ein unabhängiger Abfüller den Whisky so nicht mehr unter dem Namen der Destillerie abfüllen kann (und darf).

Die Firma Van Wees entschied nach einigen Tastings, den erworbenen Whisky, der teilweise in amerikanischen Bourbon Hogshead Fässern und zum Teil in ehemaligen Sherryfässern lagerte, so auch in unterschiedlichen Abfüllungen anzubieten. Das Ergebnis sind die oben genannten Abfüllungen.

2010 by Wolfgang (Kollo) Kolaschnik